9 - Die Fortbildung der Erfinder; die Akademie

 Unter Gestaltenden verstehen wir hier diejenigen, die sich auf dem Gebiet der künstlerischen oder/und auf dem Gebiet der technischen Kreativität bereits betätigen oder die sich so erst betätigen wollen. Unter die Bezeichnung Gestaltender fallen somit auch die Innovatoren, welche neue Lösungen technischer Probleme hervorbringen. Eine sehr wichtige Gruppe unter den Innovatoren bilden die Erfinder.

 Wohl jeder Mensch hat die Worte Tomograf bzw. Computer-Tomograf bereits gehört. Manche haben eine Fahrt durch den Tomograf sicherlich bereits absolviert. Wenn man die Augen zumacht, dann ist die Fahrt durch den Tomograf durchaus angenehm. Der Tomograf bietet dem Arzt wichtige Informationen über den Zustand unseres Körpers, d. h. auch über den Zustand unseres Gehirns. Neben den Tomographen gibt es noch weitere Methoden, welche es ermöglichen zu verfolgen, wie unser Gehirn denkt. Mit den diesbezüglichen Erkenntnissen befassen sich die Neurowissenschaften. Offenbar haben die erwähnten Methoden, verbunden mit dem intensiven Nachdenken der Wissenschaftler, dazu geführt, dass es heutzutage eine derart grosse Menge von Publikationen betreffend die mentalen Tätigkeiten des Menschen gibt, dass sich die darin enthaltenen Informationen nicht ohne weiteres überblicken lassen.  

 Die kreative Tätigkeit des Menschen ist eine der mentalen Tätigkeiten, welche unser Gehirn ausführt. Das Denken des Menschen verläuft in den meisten Fällen dermassen schnell, dass man sich der einzelnen Schritte, welche das Gehirn während einem Denkvorgang ausführt, gar nicht bewusst ist. Wir denken und handeln meistens intuitiv. In den meisten Lebenssituationen kommt der Mensch mit der intuitiven Denkweise gut zurecht. Aber bei bestimmten mentalen Vorgängen wäre es von Vorteil, wenn man wissen würde, welches die einzelnen Schritte des interessierten mentalen Vorganges sind und wie sie ablaufen. Dies wäre nämlich einer der Wege, wie man seine eigene kreative Leistungsfähigkeit verbessern könnte.

 Wir unterscheiden zwei Arten von menschlicher Kreativität, welche auf einer bestimmten Strecke zunächst gemeinsam verlaufen. Diese sind die künstlerische Kreativität und die technische Kreativität. Bei der künstlerischen Kreativität stört es weniger, wenn diese intuitiv abläuft. An die Produkte der technischen Kreativität werden dagegen bestimmte und besondere Anforderungen gestellt. Damit diese Art von Produkten solchen Anforderungen genügen kann, wäre es sehr zweckmässig zu wissen, welches die mentalen Schritte sind, die zur Lösung des jeweils gegebenen technischen Problems im Gehirn ablaufen. Denn dann könnte man die mentalen Schritte, in welchen die betreffende Innovation entsteht, so wählen, dass die Eigenschaften des neuen Produktes an die Umstände des jeweiligen Problems optimal angepasst sind. Wenn man technische Probleme nur intuitiv lösen kann, dann muss man warten, bis die Intuition eine Lösung des Problems vorschlägt. Diese Zeitspanne kann kurz sein, aber sie kann auch Wochen, Monate oder sogar Jahre lang sein. Es gibt sogar technische Probleme, welche noch nicht gelöst werden konnten, obwohl sie seit langer Zeit bestehen! Wenn man wüsste, welches die mentalen Schritte sind, die zu neuen Lösungen technischer Probleme führen, dann könnte man gleich nach dem Auftauchen des jeweiligen Problems anfangen, die diesbezügliche Reihe der mentalen Schritte abzuarbeiten, um die Lösung des Problems möglichst bald zu finden. 

 Der Einblick in den Ablauf der mentalen Tätigkeiten setzt allerdings voraus, dass man bestimme Kenntnisse darüber hat, wie das Gehirn ausgebildet ist und wie die neuronalen Prozesse darin ablaufen. Mit solchen Prozessen befassen sich die Neurophysiologie bzw. die Neurobiologie. Man behauptet, wie dies hier bereits erwähnt wurde, dass die Menge der Publikationen auf diesen Wissensgebieten dermassen gross ist, dass man den Inhalt solcher Publikationen heutzutage kaum mehr überblicken kann. Uns interessieren hier nur jene Publikationen, welche die Erkenntnisse offenbaren, die einen Bezug zur kreativen Tätigkeit haben. Wenn wir aus der riesigen Menge der bereits gewonnenen neurophysiologischen Erkenntnisse nur jene auswählen, welche mit der menschlichen Kreativität was zu tun haben, dann hat sich die riesige Menge an den bereits gewonnen neurophysiologischen Erkenntnissen auf eine Menge reduziert, welche sich gut überblicken lässt. Dies bietet die Möglichkeit, Erkenntnisse über den Ablauf der Kreativitätsprozesse im Gehirn des Menschen dem breiten Publikum vorzustellen.